Kinder verwöhnen - ja oder nein?

Als Eltern möchten wir unsere Kinder beschützen, behüten, sie glücklich sehen. Natürlich verwöhnen wir sie!
Aber zugleich machen wir uns Gedanken: Wann ist es zu viel des Guten?

Schlaue Seiten im Internet schreiben über die „Erziehungsfalle Verwöhnung“, in einem Forum fragt ein Vater, ob er seine Kinder wohl zu sehr verwöhne, wenn er ihnen jeden Wunsch erfüllt; anderswo liest man, Kinder könnten gar nicht genug Zuwendung bekommen.

Was ist denn nun richtig? 

Gleich vorweg: Zuwendung ist keineswegs gleichzusetzen mit „Verwöhnung“, bei der laut Definition dem Kind jeder Wunsch erfüllt wird und die Eltern ihm bis ins Kleinste alles abnehmen, auch das, was es schon selber kann. Dahinter steckt die Absicht, den Nachwuchs unbedingt zu behüten.

Bild: Fotolia.com Africa Studio

Das englische Wort dafür drückt die Problematik ganz gut aus: „Overprotection“ (etwa „Überbehütung“). Ein einfaches Beispiel aus dem Alltag:

Wenn das Kind noch nicht gelernt hat, den Reißverschluss der Jacke zuzumachen oder die Schuhe selbst zuzubinden, helfen Mama oder Papa. Sie machen vor, sie zeigen es, damit ihr Kind es lernt. Wenn die Prinzessin das zwar längst selbst kann, aber keine Lust hat und quengelt, weil sie daran gewöhnt ist, dass die Großen beim kleinsten Pieps alles für sie erledigen, dann ist das für beide nicht gut: Das Kind bleibt unselbständig, gewinnt kein Selbstvertrauen, verlässt sich auf Andere.

Auch wenn wir dem Nachwuchs jeden Wunsch stets sofort erfüllen, verhindern wir etwas Wichtiges: die Motivation, sich selbst um etwas zu bemühen. Das ist keine gute Voraussetzung, als Erwachsener im Leben gut klarzukommen.

„Nein, das kann ich dir jetzt nicht kaufen“ oder „Nein, das kannst du schon selbst“ ist manchmal die bessere, weil ehrliche Antwort. Es mag schwerfallen, aber so kann das Kind die nötigen Erfahrungen machen, um später als Erwachsener unabhängig zu sein.

Und wenn man im richtigen Moment „Nein“ zu sagen imstande ist, dann macht ein bisschen Verwöhnen von Zeit zu Zeit beiden Seiten viel Freude.

 

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