Eigenanspruch beim Erziehen - Die Perfektionismus-Falle

Das Bestmögliche fürs Kind – dieser Wunsch aller Eltern ist völlig normal. Aber die heute endlose Vielfalt an Möglichkeiten der Förderung, die zahllosen Ratgeber-Bücher, -Artikel und –Webseiten sorgen für perfektionistische Ansprüche der Eltern an sich selbst. Ein paar gelassene Tipps.

„Kinder haben heißt Stress haben“, klagt eine junge Mutter der KiTa-Erzieherin. „Ich komme kaum noch hinterher, alle Termine zu organisieren: Förderkurs Kinder-Englisch am Montag, Musik-Unterricht am Dienstag, Kletter-Kurs am Donnerstag...“ Die Erzieherin unterbricht die gestresste Mama: „Braucht der Kleine denn das alles?“ Die junge Frau ist irritiert. Sie will doch nur, dass ihr Kind nichts verpasst! Denn schließlich kann der Nachbarsjunge schon Klavierspielen – jedenfalls übt er jeden Tag. Und das kleine Mädchen der besten Freundin plappert erste Sätze auf Französisch. Da muss man doch mithalten! Die junge Mama merkt gar nicht, dass sie in der guten Absicht, die perfekte Mutter zu sein, womöglich diese wichtige Frage aus dem Blickfeld verliert: Was braucht (und mag) mein Kind eigentlich selbst? Vor allem anderen braucht es Zuwendung und Zeit, eine stabile emotionale Bindung zu den Eltern, und die Chance, dem eigenen Entwicklungstempo zu folgen. Gemeinsam spielen, rausgehen und alles Mögliche zusammen unternehmen, auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen, ermutigen und loben, natürlich auch Angebote machen, aber ohne Druck: Dabei kann der Nachwuchs selbst herausfinden, welche Interessen in ihm schlummern. Der Zeitaufwand, denn die stressige Förderkurs-Suche und –Planung verlangt, ist auf diese Weise viel besser investiert: Null Stress, dafür viel Spaß und Freude. Und das bei höchster Effektivität: Je mehr Zeit Eltern ihrem Kind schenken, umso mehr Selbstwertgefühl und Glücksfähigkeit kann es entwickeln. Bessere Bedingungen für ein gutes Leben gibt es kaum.

 

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